15.11.2025

Pflegefall Thüringen oder Moderne Gesundheitsversorgung – unsere kranke Zukunft


Als ein ländliches Bundesland mit einer der ältesten Bevölkerungen ist die medizinische Versorgung unserer Bürger eine Herausforderung. Für uns Junge Liberale Thüringen ist diese Herausforderung gleichzeitig eine Chance, die wir nutzen wollen. Die Zukunft unseres Freistaats ist nicht in den Grabstein gemeißelt, sondern kann ein hoch moderner Staat sein, welcher aufzeigt wie mit den Problemen unserer Zeit umgegangen werden kann.

 

Eine angemessene Gesundheitspolitik muss vorausschauend planen und langfristig denken und darf nicht in festgefahrenen Strukturen der Vergangenheit verharren. Gleichzeitig steht für uns außer Frage, dass der Bürger im Fokus stehen muss und ebenso die Rechte auf ein selbstbestimmtes Leben in allen Lebenslagen.

Reaktionär statt präventiv – der Krebsschaden unseres Gesundheitssystem

In den Altersgruppen 70-89 ist die Wahrscheinlichkeit auf dem Land an einem Herzinfarkt zu sterben, 20% höher als in der Stadt. Mangelnde Prävention, auch durch eine Unterversorgung auf dem Hausarztniveau treiben die Risikofaktoren für Herz- Kreislauf-Erkrankungen und somit auch die Herzinfarktzahlen in die Höhe. Prävention ist besser als jede medizinische Reaktion, wobei in ganz Deutschland Aufholbedarf in der Gesundheitsbildung besteht.

Gesundheit im Alter fängt bei guten Grundvoraussetzungen und Gewohnheiten aus dem Kindesalter an. Entsprechend braucht es bereits im Kindergarten und in der Grundschule verpflichtende Informationsveranstaltungen für Eltern über Impfungen, Sport und Ernährung und Gesundheit. Zudem muss Sport sowie andere aktive ehrenamtliche Engagements wie bspw. die freiwillige Feuerwehr besser in den schulischen Stundenplan integriert werden. So soll der Sportunterricht in der Grundschule sowie 5. und 6. Klasse zeitweise ergänzt werden durch ein breites Angebot von Seiten der Vereine, um durch eine bessere Bindung von Kindern an das Vereinsleben sowohl Bewegungszeit in der Freizeit zu erhöhen als auch breitere soziale Netzwerke zu ermöglichen.

 Mit Sorge blicken wir auf die steigenden Fallzahlen an Geschlechtskrankheiten. In diesem Kontext setzten wir uns durch öffentliche Kampagnen nicht nur für eine Entstigmatisierung des Themas ein, auch wollen wir die Aufklärung von ärztlichen Stellen auch über HPV-Impfungen fördern. Zur Steigerung der Effektivität braucht es auch breite Testkampagnen. Hier bedarf es einer deutlichen Ausweitung des Angebots gerade von Gesundheitsämtern. Diese sollen auf öffentlichen Messen und auch auf Ständen an jeglichen öffentlichen Orten vertreten sein, um so unkompliziert einer breiten Masse, qualifizierte Geschlechtskrankheitstests anzubieten. Zur Unterstützung der Kampagnen, sprechen wir uns für kostenlose, qualifizierte Geschlechtskrankheitstests für alle aus.

Des Weiteren wollen wir eine gesündere Ernährung stärker fördern. Um dem Bürger die Entscheidung der Lebensmittelwahl zu erleichtern und besser auf die eigene Gesundheit zu achten, benötigt es einen verpflichtenden Nutri-Score auf allen abgepackten Lebensmitteln mit Ausnahme von Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent sowie ausgewählten Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke. Dieser Nutri-Score muss grundlegend reformiert werden, sodass auch eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Produkten möglich ist und der Verbraucher nicht in die Irre geführt werden kann. Zusätzlich zum eigentlichen Nutriscore muss öffentlich transparent eine Tabelle einfach und übersichtlich darüber aufklären, wie der Nutri-Score zustande kommt. D.h. sollen konkrete Angaben wie bspw. einem hohen Fett- oder Zuckergehalt gemacht werden, um somit den Nutri-Score verständlicher und weniger abstrakt zu gestalten.

Wir erkennen an, dass jeder Mensch das Recht hat legale Drogen zu konsumieren und seinem Körper zu schaden. Leider sind vor allem junge Leute anfällig für Werbekampagnen, die den schnellen Rausch beschönigen, wobei sie die negativen Folgen oft leider nicht einschätzen können. Besonders besorgniserregend sind hier die steigenden Fallzahlen an Rauchern und anderen Formen von Tabakkonsum. Deswegen wollen wir die Attraktivität von Tabakerzeugnissen deutlich senken. Hierbei sollen einerseits die bereits auf Zigarettenschachteln eingesetzten Schockbilder auch auf Vapeverpackungen zu finden sein, . Außerdem sprechen wir uns für eigene Verkaufsläden für Tabakprodukte und Alkohol aus, welche einen Mindestabstand von 500 m zu Schulen haben, um somit die Berührungspunkte im Alltag zu verringern. Obwohl kein Konsum der beste Konsum ist, erschließt sich uns nicht, dass Zigaretten legal sind, während
Niktoninbeutel (Snus) illegal sind. Als Kompromiss- oder Übergangslösung sollte diese Art des Konsums zumindest möglich sein. Daher wollen wir den Verkauf von Snus in den dafür vorgesehenen Shops legalisieren.

 Freiluft Altersheim Thüringen

Die Pflege ist in ganz Deutschland überlastet und leidet unter akutem
Fachkräftemangel, welcher sich selber verstärkt. Durch den Personalmangel wird viel zu oft mehr Leistung erwartet, ebenso wie ein enger Schichtplan die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschweren. Gerade Pflegekräfte mit Familie können dieser Dauerbelastung selten standhalten und müssen daher entlastet werden, wofür es insbesondere mehr Personal braucht.

Um attraktiver für potenzielle Auszubildende zu werden, muss es bessere Anreize geben zur Umschulung, aber ebenso um die Ausbildung aufzunehmen und erfolgreich zu beenden. Hierfür sind insbesondere finanzielle Anreize und Vergünstigungen im Rahmen der Möglichkeiten eine der zielführendsten Maßnahmen. Die Angebote, die in diesem Programm geschaffen werden, sollen darüber hinaus nicht nur für Thüringer gelten, sondern für jeden EU-Bürger, wobei eine Verpflichtung, für eine angemessene Zeit in Thüringen zu arbeiten, damit einhergeht. Um Fachkräfte außerhalb von Thüringen langfristig zubinden, sollen Ansprechpartnern vor Ort geboten werden aus Vereinen, um unsere Willkommenskultur zu vermitteln und eine schnelle Eingliederung zu ermöglichen.

Neben der attraktiveren Ausbildung ist auch ein moderneres Ausbildungskonzept notwendig. Gerade in der Pflege, in der viele junge Menschen beispielsweise über ein FSJ in Kontakt mit diesem Berufsfeld kommen, ist eine starre mehrjährige Ausbildung alleinig nicht gerecht gegenüber den Möglichkeiten. Daher sprechen wir uns dafür aus, dass auch in kleinen Schritten Kompetenzen anerkannt werden, wie beispielsweise ein Pflegehelfer nach wenigen Monaten Ausbildung oder eine Anerkennung für eine Weiterbildung zum Behandeln von Wunden und viele mehr. In diesem Konzept sollen bereits erbrachte Leistungen auch für die mehrjährige Ausbildung anerkannt werden, um diese zu verkürzen. Des Weiteren soll es auch nach der standardisierten Ausbildung weitere Möglichkeiten geben, sich fortzubilden, um kein starres Berufsleben zu forcieren und stattdessen ein lebenslanges Lernen und Weiterbilden in der Karriere zu ermöglichen.

Gleichzeitig erkennen wir an, dass gegenwärtig die Arbeitsabläufe nicht optimal laufen und zu viel Zeit bei veralteter Technik verloren geht, welche in der Pflege von Senioren und Beeinträchtigten besser aufgehoben ist. Daher ist eine hochmoderne Ausstattung in der IT und schnellem WLAN unausweichlich, um Minuten lang vor einem Wartebildschirm zu verbleiben. Darüber hinaus bietet auch der technische Fortschritt neue Möglichkeiten, um die Pflegekräfte zu ergänzen. So ist der Einsatz von KI und Robotik eine Chance und kein Risiko, wodurch nicht nur eine Entlastung geboten wird, sondern auch schnellere Ernstfälle erkannt und behandelt werden können.

 Gesundheitspolitik als Chance

Die kürzliche Krankenhausreform geht unserer Überzeugung nach grundsätzlich in die richtige Richtung und legt einen Grundstein, auf dem wir aufbauen möchten. Dennoch scheitert auch der beste Wille in der Praxis, wenn die nötige Infrastruktur im Datentransfer aber auch in den Personalien nicht gegeben ist.

Für eine moderne Gesundheitsversorgung wird es effizientere und schnellere Datenströme benötigen, weshalb unsere Krankenhäuser das schnellstmögliche Internet brauchen, um beispielsweise auch perspektivisch Fernoperationen zu ermöglichen, wodurch vor allem im ländlichen Raum langfristig eine adäquate Versorgung gesichert werden kann. Zudem muss das Once-Only-Prinzip auch für medizinische Daten gelten, wobei der Patient selbst entscheiden darf, welche Daten er für den behandelnden Arzt freigibt. Neben diesen Schritten zur effizienteren Einsparung von Zeit ist auch der Einsatz von KI eine Möglichkeit, um unnötige Zeit zu sparen, beispielsweise als Hilfsmittel für die Dokumentationen in Arztbriefen oder auch für die Diagnostik, in der KI bereits heute teilweise zielgerichteter ist als behandelnde Ärzte.

 Wie auch die Pflege kann auch die stationäre Gesundheitsversorgung entscheidend von einer besseren IT und dem Einsatz moderner Robotik profitieren. Für diesen Einsatz soll Thüringen ein Testlabor sein, in dem Pflegeheime, Krankenhäuser, sowie
 Ärztehäuser mit den Hochschulen und Unternehmen eng zusammenarbeiten. Die Landesregierung soll im Rahmen der Möglichkeiten nicht nur Forschung und Entwicklung an den Hochschulen fördern, sondern darüber hinaus proaktiv die Ansiedlung von Unternehmen unterstützen und langfristig fördern, um Thüringen als Exportstandort moderner Pflegetechnologie zu etablieren und langfristig hochmoderne Entwicklung zu ermöglichen, ebenso wie zukunftsfeste Arbeitsplätze sichern. Diese Projekte dürfen sich jedoch nicht nur auf die Robotik beschränken, sondern müssen viel mehr auch den Einsatz von Telemedizin und insbesondere Untersuchungspods miteinbeziehen. Diese Untersuchungspods sollen gerade im ländlichen Raum die Möglichkeit geben, erste Vitalwerte aufzunehmen und grundsätzliche Diagnosen zu stellen, wodurch das Leben auf dem Land besser mit der alternden Gesellschaft in Einklang zu bringen ist.

Neben den technischen Anpassungen muss es auch mehr Mediziner geben, wobei eine Ausweitung der Medizinstudienplätze notwendig ist. In diesem Zuge sollen Medizinstudienplätze auch in einem Landarzt-Track Programm nach dem Vorbild in Baden-Württemberg vergeben werden. In diesem Programm soll jedes Jahr ein Kontingent an Studienplätzen NC-frei, mit einem Stipendium vergeben werden, wobei eine Verpflichtung nach dem Studium besteht für eine gewisse Zeit auf dem Land zu arbeiten. Für diese Zeit und auch darüber hinaus soll dem Mediziner ein breites Netzwerk vor Ort gegeben werden, welches aus Vereinen, Kommunalpolitikern, weiteren Ärzten und vielen weiteren Akteuren besteht, um die langfristige Ansiedlung attraktiv zu machen.

Das hohe Ansehen des Bildungsstandorts Deutschlands in der Welt ist ein Vorteil, der leider noch nicht ausreichend genutzt wird. Daher sprechen wir uns dafür aus, gezielt Medizinstudiengänge in Thüringen anzusiedeln, die auf Englisch oder einer anderen Fremdsprache stattfinden. So können Ausländer denen das Studium in der Heimat verwehrt wird, in Thüringen studieren und müssen im Gegenzug eine bestimmte Zeit in Thüringen bleiben, wobei kostenlose , verpfichtenden Deutschkurse während und nach dem Studium absolviert werden müssen.

Neben Medizinern gehört auch die Versorgung mit ausreichend Psychologen zu einer erfolgreichen Gesundheitsversorgung, weshalb auch hier Maßnahmen zur Ansiedlung im ländlichen Raum greifen sollen. Darüber hinaus herrscht ein enormer Leistungsdruck für die Masterstudiengänge, weshalb auch hier mehr Plätze angeboten werden müssen, um leichtere NCs zu bieten und mehr Leute für das Studium in Thüringen zu begeistern. Des Weiteren ist in individuellen Situationen auch die Mehrheit der psychotherapeutischen Behandlung als online Sitzung möglich. Um eine bessere ländliche Versorgung zu gewährleisten wäre daher ein Anreizsystem nötig, um städtische Psychologen zum verstärkten Abhalten von Onlinesitzung zu motivieren.

Gegenwärtig werden die Möglichkeiten welche Apotheken und der öffentliche Gesundheitsdienst bieten unterschätzt, weshalb wir für die Entlastung von Hausärzten und eine bessere Versorgung uns ebenso für einen verstärkte öffentlichen Gesundheitsdienst aussprechen und mehr Kompetenzen für Apotheken um die Möglichkeiten der Verfügbarkeit und Niedrigschwelligkeit zu nutzen.

 Gesundheit: von Grund auf liberal

Leider wird viel zu oft die Gesundheit gegen persönliche Freiheitsrechte ausgespielt und kollektive Dogmen aufgestellt wie kranke Personen zu leben haben. So auch in der Sterbehilfe, wobei für uns Junge Liberale Thüringen außer Frage steht, dass es ein Recht auf einen friedlichen selbstbestimmten Tod gibt. Leider sind aktuelle Regelungen für die Anspruchnahme der Sterbehilfe mit hohen bürokratischen Hürden verbunden, wodurch auch die Preise steigen und Sterbehilfe zum Luxus wird. Daher befürworten wir eine einheitliche Regelung, die es ermöglicht, auch kostenfrei Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, um in Würde selbstbestimmt zu sterben.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankassen leiden unter dem Grundsatz der gemeinsamen und Einheitlichen Vorgehensweise beispielsweise bei Vergütungen. Wir fordern die Abkehr von diesem System und wollen mehr Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen, um dem Bürger ein optimales Preis-Leistungsverhältnis zu bieten. Dafür
sollen die gesetzlichen Krankassen verschiedene Möglichkeiten bekommen, wie
beispielsweise über Tarifangebote und weitere Wahlmöglichkeiten.

Ein weiteres Problem der ineffizienten Leistungen unseres Gesundheitssystem ist die Budgetierung von Arztleistungen, wodurch Ärzte teilweise Leistungen unter dem ihn möglichen Kontingent bieten, da von Seiten des Gesetzgebers eine finanzielle Blockade herrscht. Diese Budgetierung wurde für Hausärzte abgeschafft, aber bleibt für
Fachärzte bestehen. Dies ist nicht nur unerklärlich, sondern schadet auch einer
effizienten Gesundheitsversorgung, weshalb für uns klar ist, dass die Budgetierung gänzlich abgeschafft gehört.

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