Politik oder Länderkunde?

Die Jungen Liberalen Thüringen (JuLis) halten die Pläne, die das Thüringer Bildungsministerium in seiner neuen Verordnung zur Unterrichtsgestaltung zu diskutieren scheint, für falsch. Die Verordnung würde demnach eine Reduzierung des Einstundenfachs Sozialkunde in Klasse 9 und 10 an Gymnasien ausschließlich auf Klasse 9 vorsehen. In Klasse 10 sollen die Schülerinnen und Schüler dann zwischen Wirtschaft/Recht, Sozialkunde und Geografie wählen können. Damit wird billigend in Kauf genommen, dass die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Zukunft im Zweifel ab der 10. Klasse gar keine politische Bildung mehr erhalten.

Stattdessen fordern die Jungen Liberale seit längerem eine stärkere politische Bildung. „Wir haben uns als Junge Liberale nie vorstellen können, dass diese Idee im Ministerium ernsthaft diskutiert wird. Die Maßnahme zeigt wieder, dass die Landesregierung nicht mehr den Anspruch verfolgt, Probleme zu lösen, sondern nur noch dazu bereit ist, diese zu verwalten“, sagt der Landesvorsitzende der JuLis Christopher Hubrich. Er fügt hinzu: „Stattdessen hat unser Verband ein paar nützliche Forderungen, die das Bildungsministerium gern umsetzen kann.“

Die JuLis fordern bessere Möglichkeiten zur Kooperation zwischen der Landeszentrale für politische Bildung und den Schulen, Ausflüge in den Thüringer Landtag auch ohne die explizite Einladung durch einen Abgeordneten sowie einen Tag der Schulen, an dem der Landtag für Thüringer Schulen offensteht, damit die politischen Akteure über ihre Arbeit informieren können.

Besonders im Hinblick auf die Senkung des Wahlalters auf 16 und die Extremismusprävention ist Politikunterricht nicht wegzudenken. Doch die Stundenkürzung verschlechtert nicht nur die politische Bildung der Schülerinnen und Schüler des Freistaats, sondern auch den Lehrermangel, denn die Regelung lässt nicht vermuten, dass mehr, sondern dass noch weniger ausgebildete Lehrkräfte im Fach Sozialkunde in Thüringen bleiben.

Der Lehramtsstudentin und Pressesprecherin der Thüringer JuLis Vanessa Haupt stößt noch etwas anderes auf: „Das Bildungsministerium scheint mit seiner Idee selbst nicht zufrieden zu sein, denn gleichzeitig sehen sie eine Erhöhung der Stundenzahl an Regelschulen vor. Es scheint, als wolle man nicht beide Schulformen stärken, sondern einander angleichen – im Zweifel nach unten. Nach dem Motto: „Die Regelschülerinnen und Regelschüler haben es nötiger.“ Stattdessen sollten alle die bestmögliche politische Bildung erhalten!“

Die JuLis begrüßen Entwicklungen hin zu mehr politischer Bildung. Stattdessen werde hier ein Schritt in die falsche Richtung getan. Der Vorsitzende verteidigt noch einmal die Forderungen seines Verbands: „Indem wir mehr und bessere Kooperation wagen, können wir trotz Lehrermangel unserer Aufgabe gerecht werden, die Schülerinnen und Schüler von heute zu gesellschaftlich und politisch teilhabenden Personen von morgen zu machen, unabhängig davon, welche Schule sie einmal besucht haben.“